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Hydroponisches System selber bauen: Anleitung für die eigene Hydrokultur

29. April 2019
Pro-emit Team

Wenn man Pflanzen selbst aufziehen möchte, hat man zwangsläufig und logischerweise alles voller Erde, oder? Nicht unbedingt, denn man kann Pflanzen auch ganz ohne Erde aufziehen und zwar in sogenannten Hydrokulturen. Dieser Artikel beschäftigt sich damit, wie man sich ein solches hydroponisches System selbst baut und wie man es am besten einsetzen kann.

Hydroponisches System – Was genau ist das überhaupt?

Die Hydroponik bzw. Hydrokultur kommt zumindest begriffsmäßig aus dem Griechischen und Lateinischen (gr. hydor, dt. „Wasser“, gr. pónos, dt. „Arbeit“ bzw. lat. cultura, dt. „Anbau“) und bezeichnet den Anbau von Pflanzen in Wasser, statt in Erde, wie das bei der sogenannten Geoponik der Fall ist. So viel zur Begrifflichkeit, aber was bedeutet das genau, warum tut man das und wie funktionierts?

Pflanzen ziehen ohne Erde?

Pflanzen in einem hydroponisches System heranzuziehen ist eigentlich gar nicht so schwierig. Dabei liegen die Wurzeln der Pflanzen in einer Lösung aus Wasser und Nährstoffen, die außerdem mit Sauerstoff versorgt wird, damit die Pflanzen nicht ersticken und verfaulen. Die Pflanze kann über das Wasser alle Nährstoffe aufnehmen, die sie braucht.

Was ist das Hydrokultur System?

Dabei hat man vollste Kontrolle über die Nährstoffe in der Lösung, man kann den pH-Wert und andere Inhaltsstoffe genauestens einstellen und dies sollte man auch tun. Die Erde hat nämlich eine ausgleichende Funktion, einen pH-Puffer sozusagen, der nicht gegeben ist, wenn die Wurzeln nur von Wasser umgeben sind. Der optimierte Dünger kann dafür auch genau auf das jeweilige Wachstumsstadium abgeglichen werden, sodass Pflanzen in unterschiedlichen Stadien auch mit einer jeweils anderen Nährstofflösung versorgt werden.

Vorteile des Hydrokultursystems

Der Gedanke, nicht mit Erde fuhrwerken zu müssen, klingt verlockend und das aus vielen Gründen. Zunächst liegt auf der Hand, dass die Handhabung von nicht geoponischen Systemen zur Pflanzenaufzucht wesentlich sauberer vonstattengeht. Der kontrollierte und saubere Wuchs, der sogar vor Unkraut gefeit ist, stellt einen der wesentlichen Vorteile des hydroponischen Systems dar.

Außerdem arbeitet die Hydrokultur, wenn sie klug angelegt wird, sparsamer, effizienter und bringt mehr Ertrag. Nicht nur kann man sich pro Wuchs über eine üppigere Ernte freuen, man bekommt auch mehr Wachstumszyklen in einem Jahr unter. Trotz des schnellen Wachstums hat man keinerlei Einbüßen bei der Qualität der Pflanze zu befürchten und durch diese günstigen Betriebsbedingungen rechnen sich die hohen Anschaffungskosten schnell.

Dadurch, dass der Nährstofflösung die exakt richtige Zusammensetzung beigemischt werden kann und man nicht einfach wild (und meistens zu viel) darauf los düngen muss, werden Ressourcen gespart. Zu guter Letzt ist auch der Platzverbrauch geringer. Bei der Pflanzenzucht großen Stil ist der vertikale Anbau (engl. vertical farming) in Kombination mit einem hydroponischen System besonders günstig.

Hydroponic System selber bauen – Anleitung für eine DWC

Kommen wir aber nun endlich zum Kernstück dieses Artikels: der Anleitung zum Bau eines eigenen hydroponischen Systems. Wir haben uns dafür entschieden, eine sogenannte deep water culture mit euch sozusagen virtuell anzulegen, denn die DWC ist die, die im Privatgebrauch zurecht am häufigsten eingesetzt wird.

Was man braucht, um eine Hydrokultur selber zu bauen:
  • Eimer mit Deckel: Er dient sowohl als Halterung für den Topf, als auch als Reservoir für die Nährstofflösung.
  • Anorganisches Substrat: Als Substrat wird die Unterlage bezeichnet, auf der die Pflanze wächst. Bei hydroponischen Systemen wird dafür anorganisches, also „unbelebtes“ Substrat. Davon gibt es verschiedene. Man verwendet dabei am besten Materialien, die wiederverwendbar sind und nicht sofort nach einem Wuchszyklus weggeworfen werden müssen. Bei Steinwolle ist es so, dass große Mengen Abfall entstehen, was nun wirklich weder ökonomisch noch ökologisch ist. Bei Blähton ist das beispielsweise nicht der Fall.
  • Netztöpfe: Hier kommen die Pflanzen (bzw. die angezogenen Setzlinge) samt Substrat hinein, wobei die Wurzeln durch die Löcher des Topfes an die Nährlösung gelangen.
  • Luftpumpe mit Ausströmer: Diese pumpt Luft in die Nährlösung und an die Wurzeln, die so mit Sauerstoff versorgt werden. Für den privaten Aufbau reicht dafür eine einfache Aquariumpumpe.
  • Nährstoffe (Dünger) und Wasser: Dabei am besten zu speziellem Dünger für Hydrokulturen greifen.
  • Saatgut
  • Werkzeug: Bohrmaschine und Lochsäge, alternativ sind auch Cutter-Messer oder Schere möglich

Aufbau der „Hardware“

Der Deckel des Eimers wird abgenommen und ein Loch ausgemessen, angezeichnet und ausgeschnitten, das so groß ist, dass der Netztopf zwar zu einem Großteil durchpasst, aber nicht durchfällt. Am Rand des Deckels wird ein weiteres kleines Loch gebohrt, durch das der Luftschlauch für die Luftpumpe gefädelt werden kann. Schließlich wird der Ausströmer für die Luftzufuhr in den Eimer gelegt und mit dem Schlauch verbunden.

Befüllen: Nährstofflösung, Pflanze und Substrat

Dann kann der Aufbau eigentlich schon befüllt werden. Erst wird die Nährstofflösung angemischt (laut Herstellerangaben des jeweiligen hydroponischen Düngers) und so viel davon in den Eimer gefüllt, dass der Netztopf mit der Lösung in Berührung kommt. Anschließend kommt das Substrat, beispielsweise der Blähton, in den Netztopf und die angezogenen Sämlinge werden vorsichtig eingesetzt. Der Sämling sollte vorher bereits in beispielsweise Kokussubtrat angezogen und samt diesem in den Blähton gesetzt werden. Nun kann eigentlich schon die Luftpumpe angeschlossen, angeschaltet und losgelegt werden.

Beim Betrieb dieses Systems ist es wichtig, dass der Wasserpegel nicht abfällt und dass alle paar Wochen das Wasser gewechselt wird.

Einsatzgebiete der Hydrokultur

Im privaten Bereich wird die Hydrokultur häufig bei Zimmerpflanzen eingesetzt. Dass man nicht mit Erde hantieren muss, ist schließlich besonders im Wohnbereich von Vorteil, den man ja doch eher erdfrei halten wollen würde.

Hydrokultur: So baut man ein hydroponisches System

Auch bei der privaten Aufzucht von Nutzpflanzen können hydroponische Systeme eingesetzt werden. Tatsächlich wird diese Art der Nutzung immer häufiger, wozu auch die LED-Pflanzenlampen keinen unwesentlichen Beitrag geleistet haben.

Die wirtschaftliche Nutzung von hydroponischen Systemen schreitet hingegen immer weiter voran. Es wird geforscht und optimiert und überlegt, ob solche Systeme künftig vermehrt für die Deckung des Lebensmittelbedarfs und zur Aufzucht anderer Nutzpflanzen herangezogen werden können. Vertical farming, wobei mehrere Reihen Pflanzen übereinander in hochgestapelten Regalen aufgezogen werden, wird zum Teil vor allem in Japan bereits eingesetzt und könnte die Zukunft der Pflanzenzucht darstellen.

Welche Pflanzen eignen sich?

Diese Frage ist schnell beantwortet: es gibt nämlich kaum eine Pflanze, die nicht ohne Erde aufgezogen werden kann. Praktisch alle Pflanzen können in einer Hydrokultur wachsen, wenn nur die Zusammensetzung und Menge der Nährlösung an die jeweilige Pflanze angepasst ist. Sogar Orchideen und Kakteen können so gezogen werden – in Blähton eingetopft statt in Erde.

Von Aeroponik über Ebbe-und-Flut-System bis Tonkultur: unterschiedliche Systeme

Wie so oft gibt es auch bei hydroponischen Systemen verschiedene Methoden und Arten. Man könnte fast sagen, Hydrokultur sei nicht gleich Hydrokultur und so ist es auch. Verschiedene Aufbauten und Systeme sind der Auswahl überlassen und wir möchten zum Abschluss dieses Beitrags einige davon kurz vorstellen.

DWC – deep water culture: bei dieser Methode werden die Wurzeln direkt ins Wasser getaucht, wobei besonders wichtig ist, dass sie gut mit Sauerstoff versorgt werden.

Dochtsystem: beim Dochtsystem wird das Wasser über einen Docht zum Substrat und zu den Wurzeln geliefert. Da die Wurzeln hier weniger intensiv mit Wasser in Berührung kommen, eignet sich das System eher für Pflanzen, die wenig Wasser benötigen.

Tropfsystem: beim Tropfsystem wird die Nährlösung durch eine Wasserpumpe in gewissen Intervallen vom Reservoir nach oben gepumpt und auf das Substrat gegossen. Das versickernde Wasser gelangt dann wieder ins Reservoir zurück und es entsteht ein Kreislauf.

Ebbe-Flut-System: ein recht bekanntes System ist auch das Ebbe-Flut-System. Dabei befindet sich die Pflanze in einem Container, der mehrmals täglich geflutet wird. Das Wasser sickert wieder zurück in das Reservoir, wodurch sich der Ebbe-Zustand ergibt.

NFT – nutrient film technique: bei der sogenannten Nährstofffilmtechnologie läuft die Nährflüssigkeit durch eine Röhre, in der die Netztöpfe eingefasst sind. Diese Methode wird hauptsächlich im wirtschaftlichen Bereich angewandt.

Aeroponisches System: hierbei handelt es sich streng genommen nicht um eine Hydrokultur, denn die Wurzeln hängen hier in der Luft, wobei sie ständig mit der Nährlösung besprüht werden. Bei dieser Methode bilden sich in der Regel starke Wurzeln heraus.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das hydroponische System vielleicht auf den ersten Blick etwas befremdlich wirkt, dass sie allerdings durchaus eine Überlegung wert ist. Bei der Hydrokultur sind zwar präzise Pflege und Versorgung erforderlich, wodurch allerdings beste Ernteergebnisse erzielt werden können.

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